Mir dröhnt noch
       voll die Birne.
    vom 07.-08.08.09
Festivals sind unser aller Ding. Egal ob "With Full force" oder "Wacken Open Air" oder wie sie auch immer heißen, sie bestimmen unser Leben irdendwie mit. Seit geraumer Zeit freue ich mich immer, wenn mal wieder so ein "kleines" Festival stattfindet, ohne großen Konsumterror oder Massenbevölkerung.

Fährt man schon einmal als Sachse an die Küste, macht es eigentlich einen Heidenspaß, in das verschlafene Städtchen Barth zu fahren, wenn dort das Barther Metal Open Air stattfindet. Bereits im letzten Jahr war das eine große Kiste, die es schwer machte, getoppt zu werden. Genau das zeigte sich in diesem Jahr auch so. Noch getragen von den Erinnerungen des vergangenen Jahres zog man nun genau dahin, um diese etwas aufzufrischen. Das Lineup las sich nun nicht so anspruchsvoll wie noch zwölf Monate zuvor, aber Spaß sollte auch damit garantiert sein.

Also rein ins Vergnnügen, aber das war leichter gesagt als getan. Denn der Platz, wo die Zelte noch im letzten Jahr standen, war, obwohl man früher da war, schon weg. Vom nächsten , den man finden konnte, wurde man mit der Ausrede, dort einen Stand eröffnen zu wollen, roh vertrieben. Übrigens, den Stand gab's dann auch dort irgendwann, bloß der Sinn desselben war nicht erkennbar. Da fällt mir was aus jüngster Vergangenheit ein. Aber lassen wir das mal. Nun ja, das eine große Zelt, was nun noch seinen Platz brauchte, fand dann ganz am Rande einen solchen und wurde gewissermaßen windkanalgetestet. Der Aufbau verkam schon zu so etwas wie einem Abenteuer. Aber keine Angst, Verletzte gab es glücklicherweise nicht. Nicht schön aber selten, kam es dann letztlich doch zum Stehen. 

Nun also rein in die Party! Getränke waren schnell besorgt, selbst eine Oma schafft das dort im Handumdrehen. Der Dehydrierung also vorgebeugt gehts dann zum eigentlichen Ereignisort. Die Bühne ist ja malerisch gelegen. Besser kann man es eigentlich nicht haben. Aber um 16.30 Uhr am Freitag sollte man sich das wohl doch noch nicht antun. Denn da spielen dort Moloch aus Rostock, und die machen leider ihren Namen zum Programm. Sorry Jungs, aber das ist einfach nichts! Auch Metal hat etwas mit Musik zu tun. Und gerade von dieser erwarte ich vor allen Dingen etwas mehr Bewegung. Ich weiß nicht wie viel Wasser es bedurft hätte, um Eure Salzsäulen in Bewegung zu bekommen. Eine Auflösung wäre wohl die einzige gewesen. Mit etwas gedämpfter Stimmung verlässt man den Stage also, um nachzutanken und dann den zweiten Anlauf zu wagen. Istapp, hmm, nie gehört, aber aus Schweden, da kann man ja schon mal neugierig sein. Und die Neugier wurde mehr als befriedigt. Da stehen plötzlich ein paar Jünglinge da, die im ersten Augenblick den Anschein erwecken, gerade aus einem geplünderten Mehlsack geflüchtet zu sein. Kalkweiß im Gesicht. Die Outfits hätten gut und gern neben Tina Turner und Mel Gibson bei Madmax super ausgeschaut. Aber das, was akkustich rüberkam, war der erste richtige Rockalarm des beginnenden Abends. Das macht einfach Spaß, den Kinnings da zuzuhören. Handwerklich schon in diesem Alter - und das dürfte nicht viel höher als anfang zwanzig sein - schon ganz großes Kino, die Songs brachial, aber nicht überzogen. So passt das!

Dann der nächste Dämpfer. Weil einige Patienten sich nicht wirklich daran erinnern können, dass Festivals auch ein Geben und Nehmen sind, und ihre Blechkarren eben dort abwerfern, wo ihnen gerade der Schnabel gewachsen ist, war Heiko mit seinen Jungs von Nidhogg, schlussendlich der Hausherr, gezwungen, seinen eigenen Auftritt zu verschieben. Er musste sich erst einmal mit spießbürgerlichen Anwohnern und den Behörden herumschlagen, um das Problem halbwegs in den Griff zu bekommen. So richtig konnte es ihm leider nicht gelingen. Dafür war der Auftritt später dann mehr als eine Entschädigung. Nach dem eigentlich nicht näher zu erwähndendem Fiasko (von Auftritt, der mir nur den Ausruf: "was bitte schön ist denn das jetzt?" entriss, kann man wirlich nicht reden) von Nefarium aus Italien, schlug dann den Jungens ihre Stunde. Und es war das, was einem das Wikingerherz erst einmal auf Betriebstemperatur brachte. Man war einfach angekommen. So muss das klingen, auch wenn der schlafmützige Tontechniker nicht mitmachen will. Dessen Tiefschlaf konnte man einfach überhören. Die Nackengelenke waren gerade mal richtig in Schwung, da riefen Trollech aus Tschechien zur neuen Schlacht. Und auch die Jungs hatten mit der FOH so ihre Problemchen. Gestartet wie ein Fussballverein in die neue Saison, mit Stolpersteinen gesät, machte es bis spätestens zur Mitte des Gigs hin richtig Freude ihnen zuzuhören. Dass sie in Landessprache sangen, verlieh dem Ganzen noch etwas mehr Flair. Hut ab Jungs, und hoffentlich bald mal wieder hier in deutschen Landen. Der Abend schloss dann mit Thrudvangar. Die perfekte Show des Tages. Das war einfach der Hammer. Egal, ob aus älteren Tagen wie "Zwischen Agard und Midgard" oder der neu angekündigten Scheibe (die hoffentlich bald greifbar ist) es stimmte alles. Optisch und akkustisch sowieso. Danach hatte ich das Problem zur Ruhe zu kommen, da ich danach einfach zu aufgekratzt war.

Letztlich schaffte ich es doch, zwischen einer angerissenen Metflasche und dem Tohuwabohu da draußen die Augen zu schließen. Wiedererwacht, und das Ganze diesmal ohne den prellenden Kopfschmerz des Vorjahres, ging es wieder zum Bummel durch dieses sympatische Städtchen. Man kann ja Urlaub sonstwo machen, aber das hat einfach etwas eigenes. Die Leute easy, und das findet man als Sachse an der Küste nicht immer so vor, die Landschaft einfach Klasse und alle unsere Götter rissen sich zusammen und zum Nachmittag hin auch den Himmel wieder auf. Wie kann es besser sein? Die Lederhose wich dann mal schnell etwas leichterem Beinkleid. Und der Angriff begann von vorn. Auch hier nicht ohne Pannen, da der Fahrpaln etwas aus den Fugen geriet. Grabak haben wohl, warum auch immer, abgesagt, daher ging schon mal die Hälfte von XIV Dark Centuries verloren. Einfach verpasst, passiert halt! Machte aber nix, es ging ja noch weiter. Auch wenn ich mich nicht zu den ultimativen Black-Metal-Anbetern zähle, haben mich die norwegischen Koldbrann doch sehr positiv überrascht. Eine Mischung aus wirklich handwerklich gutem Gitarrenspiel und einer recht markigen Gesangsstimme. Hört man so nicht jeden Tag. Was dann kam, war eigentlich wie ein Schlag auf den Kopf, wenn man das Vorangegangene sieht. Darkened Nocturned Slaughtercult. Beschrieben als Kult-Black-Metal. Na ja, ich weiß ja nicht, was andere unter Kult verstehen. Aber das hoffentlich nicht. Dieses kleine überdrehte Weibsbild muss aufpassen, dass das Painting der Augenhöhlen sich nicht eines Tages mit dem Nagellack der Zehnägel vermischt. Vielmehr Aufregendes gibt es dazu nicht zu sagen. Note: Sechs, setzen! Aber dann kamen sie. Black Messiah! Die Rettung des Abends schlechthin. Egal was da angefasst wurde, ob aus "The First War Of The World", ob aus "Of Myths And Legends" oder "Oath Of A Warrior", kein Song, der einem nicht den Schädel abzureißen drohte. Einfach Klasse! Wusste gar nicht, dass man im Pott solche Musik hört. Bandshirtkauf wurde da einfach zur Pflicht. Was kann schöner sein, als ein Söldnerschwein zu sein!? Der Rest blieb dann wieder der Black-Fraktion überlassen. Dornenreich mög so mancher gut finden, mein Ding ist es nicht. Eine Metal-Band ohne Bass ist einfach eine hohle Nummer in meinen Ohren.Von Urgehal war ich dann auch sichtlich entäuscht. Das hatte schon etwas von einem Chill-Out. 

Rundum war es wieder ein schickes Festival ohne übertriebenem Kommerz. Jungens, bewahrt das bitte! Es ist ein Kleinod, welches man so nicht schnell wieder findet. Das kulinarische Angebot hat in diesem Jahr voll gestimmt. Was noch etwas Nachbesserung braucht, ist die sanitäre Nebensache. Aber gerade die kann manchmal richtig Probleme bereiten. Sechs Dixies über vier Tage hin halte ich für unterdimensioniert, wenn sie nicht erneuert werden. Der Toilettenwagen ist schon 'ne super Geschichte, aber der hat ja ja nicht rund um die Uhr offen. Ich wäre gern bereit, fünf Euro mehr zu investieren, wenn das die Kosten einigermaßen decken würde. Ansonsten Heiko, und wie die anderen guten Geister dahinter alle heißen, gutes Gelingen, und hoffentlich bis zum nächsten Jahr. Denn ich hoffe, dass die paar wenigen Vollidioten, die für so manche negative Randerscheinung gesorgt haben, das Fest nicht ins Wanken bringen konnten.{HR}

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